Teamfoto des Start-ups Ideastream

Hi Matthias, Du bist Mitgründer von Ideastream. Was macht Euer Start-up eigentlich?

Wir bauen das Betriebssystem für Startup-Ökosysteme. Ideastream ist eine KI-gestützte Plattform, die Gründungszentren, Inkubatoren und Startup Factories dabei unterstützt, Gründerinnen und Gründer strukturiert von der ersten Idee bis zum tragfähigen Geschäftsmodell zu begleiten – skalierbar, messbar und ohne unnötigen administrativen Aufwand.

Wie würdest Du Eure Vision in einem Satz beschreiben?

Mit ideastream.io sollen Innovationen zu etwas Selbstverständlichem werden: ein klarer, zugänglicher Prozess, der viele Menschen befähigt, aus ihren Ideen echte, wirksame Lösungen für die Zukunft entstehen zu lassen.

Was war der Auslöser oder das Problem, das Euch zur Gründung inspiriert hat?

Wir sehen etwas sehr Positives in Europa: Es wird viel dafür getan, dass die Startup-Kultur wächst. Gründungszentren, Inkubatoren, Startup Factories – es gibt ein echtes Ökosystem, das junge Unternehmen fördern will. Aber wir sehen gleichzeitig ein strukturelles Problem ganz am Anfang: Die Menschen, die Gründerinnen und Gründer begleiten, haben schlicht zu wenig Zeit und oft zu wenige Ressourcen. Startup Coaches und Gründungsberater:innen müssen einen großen Teil ihrer Arbeit mit Dokumentation, Anträgen, Verwaltung und Koordination – also mit allem, was keine direkte Arbeit mit den Teams ist, verbringen. Das ist eine enorme Verschwendung von Expertise, die eigentlich für das Coaching, das Sparring, die Arbeit mit den Gründungsteams gebraucht wird.

Ideastream löst genau das: Wir geben Gründungsberater:innen ein Tool, das ihnen die Freiräume zurückgibt, damit sie sich auf das konzentrieren können, wofür sie wirklich da sind – die Arbeit mit Menschen. Und gleichzeitig begleiten wir Gründerinnen und Gründer mit strukturierten, KI-gestützten Workflows, die sie selbstwirksam von der Idee zum Geschäftsmodell führen.

Wie sieht Euer Weg in die Gründung aus?

Wir haben fünf Jahre lang als Innovationsagentur zusammengearbeitet und viele Start-ups begleitet. Durch den rasanten KI-Fortschritt wussten wir: Wir müssen uns weiterentwickeln. Also haben wir für unsere eigene Idee eine Discovery-Phase gemacht: Interviews, Research, Prototypen und Validierung. Die Ergebnisse waren so klar, dass wir uns entschieden haben zu gründen. Danach folgte die Investorensuche, und über The Bridge bzw. SouthwestX sind wir in die Inkubation gestartet.

Wie sieht Euer Team heute aus und wie ergänzt Ihr Euch in der täglichen Arbeit?

Wir sind aktuell zu dritt: Jan als CPO, Robert als CTO und ich als CEO. Für mich wäre Gründen ohne Team unvorstellbar. Wir sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten mit komplementären Fähigkeiten. Und genau das macht den Unterschied, wenn man schnell und präzise vorankommen will.

Jeder trägt ein Stück der Vision, und über die Zeit setzt sich alles zu einem gemeinsamen Bild zusammen. Diskurs spielt dabei eine große Rolle: Diskussionen, Emotionen, auch Streit gehören dazu, solange die Werte klar sind. Das macht uns als Team stärker.

Gründen ist voller Höhen und Tiefen. Den Druck, die Unsicherheit und die Vielzahl an Aufgaben kann man kaum allein tragen. Als Team unterstützt man sich fachlich und emotional. Deswegen ist ein vielfältiges Team meiner Meinung nach eine der wichtigsten Voraussetzungen, um diesen Weg erfolgreich zu meistern.

Wie erlebt Ihr den Alltag im Start-up zwischen Produktentwicklung, Finanzen und Kundensuche?

Zu wenig Zeit für zu viele Aufgaben, das trifft es gut. Wir müssen gleichzeitig Produkt bauen, Kunden gewinnen und Investoren überzeugen. Alles ist im Fluss und verlangt permanente Iteration. Selbstbestimmtes Arbeiten ist großartig, aber es erfordert ein stabiles Mindset. Man darf sich nicht von den eigenen Emotionen überrollen lassen.

Gab es Schlüsselmomente, die Dich geprägt haben?

Ein wichtiger Moment war, als ein Kunde nach einer Produktpräsentation aufstand, mir ein High-Five gab und sagte: „Ich gratuliere euch. Das löst so viele unserer Probleme.“

Dieses Gefühl, wirklich einen Bedarf getroffen zu haben, ist enorm motivierend. Diesen Moment sollte man so früh wie möglich erreichen, der treibt einen an. Der wahrscheinlich wichtigste Schritt ist aber, erste Kunden davon zu überzeugen, das Produkt zu kaufen.

Welche persönlichen Eigenschaften oder Denkweisen helfen Dir heute im Startup-Alltag besonders weiter?

Resilienz und hohe Agilität. Entscheiden und Handeln gehören untrennbar zusammen. Man muss iterieren, anpassen, Feedback einordnen und gleichzeitig der Vision treu bleiben. Wichtig ist, zu verstehen, welches Feedback wirklich weiterhilft und wo man an die eigene Idee glauben muss, auch wenn der Tag schwierig ist.

Was war eure bisher größte Herausforderung und wie seid Ihr damit umgegangen?

Die größte Herausforderung ist es, Kapital zu finden. Investorenbeziehungen sind für uns neu, und es ist ein komplett anderer Sprach- und Denkkosmos. Es geht darum, Visionen klar zu vermitteln, mit Zeitdruck umzugehen und Verantwortung für fremdes Geld zu übernehmen. SouthwestX unterstützt uns dabei stark, besonders unser Incubation-Manager Fabian mit seiner Erfahrung. Trotzdem bleibt es ein intensiver Lernprozess, weil wir ständig Aufgaben übernehmen müssen, die wir vorher noch nie gemacht haben.

Gibt es einen Fehler, der Dir beim Gründen so nicht nochmal passieren würde?

Nicht direkt. Der gesamte Prozess ist hoch iterativ. Erkenntnisse entstehen Schritt für Schritt, und frühere Annahmen waren einfach begrenzt durch das Wissen zu diesem Zeitpunkt. Ich lerne jeden Tag hinzu.

Was war der bisher verrückteste Moment in Eurer Startup-Story?

Der verrückteste Moment war der Beginn unserer Reise, der Moment, in dem wir gesagt haben „Komm, wir machen das!“. Raus aus dem Job, raus aus der Sicherheit und rein in die Ungewissheit, in die Startup-Welt.

Was würdest Du jemandem raten, der oder die sich gerade mit dem Gründen auseinandersetzt?

Formuliert eure Idee klar und macht sie artikulierbar. Identifiziert ein echtes Problem und adressiert es mit einer klaren Lösung, und zwar immer aus Sicht des Nutzers. Lest die richtigen Bücher, sprecht mit den richtigen Menschen und findet so schnell wie möglich heraus, ob sich euer Vorhaben lohnt. Und natürlich: Nutzt ideastream.io! Wir haben all das, woran wir selbst glauben, darin umgesetzt.

Wenn Du jemanden zum Mittagessen treffen könntest (tot oder lebendig), um über Unternehmertum zu sprechen: Wer wäre das und warum?

Ray und Charles Eames. Sie haben Welten und Zukünfte gestaltet und verkörpern ein Mindset, das heute wichtiger denn je ist: Alles ist offen, nichts ist je fertig. Von ihnen könnte ich viel darüber lernen, wie man Zukunft denkt und gestaltet und wie man einen echten Mehrwert für Menschen bietet.

Danke Dir für Deine Zeit!