Hi Nina, hi Larissa, ihr treibt derzeit das Projekt LAHA voran. Was macht euer Start-up eigentlich?
Wir entwickeln das erste laserbasierte Hörgerät. Dabei ersetzen wir den klassischen Lautsprecher durch eine feine Laserfaser, die Schall direkt am Trommelfell erzeugt. Das sorgt für eine klarere Klangqualität und ein angenehmeres Tragegefühl.
Das Ganze läuft im Rahmen eines EXIST-Forschungstransfers über drei Jahre. Diese Förderung stellt uns finanzielle Mittel für Personal, Produktentwicklung und Coaching zur Verfügung. Aktuell arbeiten wir an der Prototypenentwicklung, sind in der Investorenansprache und bereiten den nächsten Schritt in Richtung Marktreife vor.
Wie würdet ihr eure Vision in einem Satz beschreiben?
Herkömmliche Hörgeräte stoßen schnell an ihre Grenzen. Wir möchten Schwerhörigen ein Hörgerät zur Verfügung stellen, mit dem sie langfristig wirklich zufrieden sind.
Was war der Auslöser oder das Problem, das euch inspiriert hat, den Weg in die Gründung zu gehen?
Unsere Forschung basiert auf einer eher zufälligen Entdeckung: In Laserexperimenten an Tieren wurde beobachtet, dass sie auf Lichtimpulse reagierten. Sie konnten den Laser tatsächlich hören, nicht nur sehen. Diese Erkenntnis war der Ausgangspunkt für unsere Idee, Laserimpulse auch im Hörgerätekontext zu nutzen.
Der Schritt in Richtung Gründung kam, als wir uns an der Universität des Saarlandes über Triathlon in die Gründungsberatung begeben haben. Das war der Startpunkt für unseren EXIST-Antrag und der Moment, in dem aus Forschung plötzlich ein Start-up wurde.
Wie sieht euer Team heute aus und wie ergänzt ihr euch in der täglichen Arbeit?
Wir haben uns stark vergrößert und sind mittlerweile acht Teammitglieder plus zwei studentische Hilfskräfte. Wir sind ein interdisziplinäres Team, bestehend aus den Schwerpunkten Medizintechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Biophysik, Medizin und Elektrotechnik. Wir decken alle Facetten von der Forschung über die Wirtschaft bis hin zur technischen Umsetzung ab. Jede und jeder hat eine eigene Kernexpertise, und gleichzeitig schauen alle auch über den Tellerrand hinaus. Genau diese Mischung macht uns stark.
Wie erlebt ihr den Alltag im Start-up zwischen Produktentwicklung, Finanzen und Kundensuche?
Larissa: Ich habe unseren EXIST-Antrag mitgestaltet, war zwischenzeitlich in Elternzeit und bin dann wieder eingestiegen. Das Team hat mich großartig unterstützt. Die Vereinbarkeit von Familie und Gründung funktioniert bei uns wirklich. Die Start-up-Welt hat meinen Horizont enorm erweitert: Nach Jahren in der Forschung öffnet sie ganz neue Perspektiven.
Nina: Ich finde es spannend, dass wir so viele verschiedene Themenfelder vereinen. Ich komme aus der Forschung, kann mein Fachwissen einbringen und lerne gleichzeitig ständig Neues dazu. Ich muss immer wieder Situationen meistern, die ich so noch nicht erlebt habe. Das gibt mir Selbstvertrauen und macht richtig Spaß.
Wie sehen eure persönlichen Wege in die Gründung aus?
Nina: Ich bin über eine Stellenausschreibung in einer Biophysik-Gruppe auf das Projekt gestoßen. Mich hat die Kombination aus Medizintechnik und interdisziplinärer Forschung sofort fasziniert. Ursprünglich wollte ich in der Forschung bleiben, aber mit der Zeit wurde das Thema Gründung immer spannender.
Larissa: Ich komme aus der Forschung, habe promoviert und an Finanzierungsanträgen mitgeschrieben. Irgendwann dachte ich: Eigentlich kann ich das auch für mein eigenes Projekt machen. Der EXIST-Forschungstransfer hat mir gezeigt, wie spannend die Gründungswelt ist und dass ich mich dort sehr wohl fühle.
Gab es Schlüsselmomente, die euch geprägt haben?
Ein entscheidender Moment für unser Projekt war die Zusage für den EXIST-Forschungstransfer. Bis dahin war es eher ein „Wir probieren das jetzt einfach mal“. Mit der Förderung kam plötzlich die Gewissheit: Das Projekt hat Substanz und andere glauben ebenfalls daran. Diese Validierung war für uns ein Wendepunkt.
Auch der Gewinn des Saarland Pitch war ein Highlight: Zum ersten Mal konnten wir unsere Idee vor einem breiten Publikum präsentieren und live erleben, wie gut sie ankommt.
Auf technischer Seite hat uns unsere „First-in-Human“-Studie und der Moment, als Menschen den Laser tatsächlich hören konnten, geprägt. Das war ein Gänsehaut-Moment für uns alle.
Welche persönlichen Eigenschaften oder Denkweisen helfen euch heute im Start-up-Alltag besonders weiter?
Besonders nützlich sind Neugier und die Bereitschaft, immer wieder Neues zu lernen. Wir verlassen regelmäßig unsere Komfortzone und probieren Dinge aus, die wir vorher nie gemacht hätten. Dazu kommen Durchhaltevermögen, Selbstreflexion, ein hohes Maß an Vertrauen im Team und die Fähigkeit, eigenständig zu arbeiten. Und ganz wichtig: eine große Portion Optimismus und Wohlwollen, das trägt uns durch anstrengende Phasen.
Was war eure bisher größte Herausforderung und wie seid ihr damit umgegangen?
Wir hatten im Lauf des Projekts mehrere Teammitgliederwechsel. Das war anfangs schwierig, hat uns aber langfristig stärker gemacht. Wir haben gelernt, flexibel auf solche Änderungen zu reagieren, Schwerpunkte anzupassen und neue Kompetenzen ins Team zu holen.
Was war der bisher verrückteste Moment in eurer Startup-Story?
Zwei Teammitglieder waren gleichzeitig schwanger, das war schon verrückt. Im Nachhinein hat sich diese Situation aber als großer Gewinn herausgestellt. Wir haben gesehen, dass Familienfreundlichkeit im Start-up nicht nur möglich ist, sondern uns als Team sogar enger zusammenschweißt.
Was würdet ihr jemandem raten, der oder die sich gerade mit dem Gründen auseinandersetzt?
Nina: Bleibt nicht zu lange im stillen Kämmerlein. Geht raus, zeigt eure Idee und holt euch Feedback. Nur so merkt ihr, wo ihr wirklich steht.
Larissa: Denkt in kleinen Schritten. Große Ziele wirken oft überwältigend, aber wenn man sie runterbricht, sind sie machbar.
Wie blickt ihr heute auf den Schritt in die Selbstständigkeit zurück und was hätte euch am Anfang geholfen?
Larissa: Es war genau der richtige Schritt, um aus der reinen Forschung herauszukommen. Ich hätte mir am Anfang jemanden gewünscht, der einfach sagt: du schaffst das! Ein Vorbild, das zeigt, dass erfolgreiche Gründer und Gründerinnen auch nur normale Menschen sind.
Nina: Für mich war der EXIST-Forschungstransfer ein idealer Einstieg, der perfekte Übergang von Forschung zu Gründung.
Was motiviert euch an Tagen, an denen nichts so richtig klappt?
Nina: Ganz klar das Team. Wenn mal nichts läuft, machen wir eine Pause, reden, lachen und starten neu durch.
Larissa: Die Erfahrung, dass schwierige Phasen vergehen. Mit der Zeit kommt Gelassenheit und man lernt zu vertrauen, dass es wieder besser wird.
Danke für eure Zeit!

