Start-up & Idee verstehen
Hi Jannis und Maurice, ihr arbeitet am Projekt „muq.“. Was macht Euer Startup eigentlich?
Wir entwickeln ein neuartiges Konzept einer mobilen, nachhaltigen Kaffeemaschine, mit der man unterwegs bequem Kaffee kochen kann, sowohl im Alltag als auch auf Reisen. Unser Ansatz: Gebrüht wird direkt dort, wo getrunken wird, die Maschine ist also gleichzeitig die Tasse. So erreichen wir einen hohen Wirkungsgrad und sparen Energie, was der Haupttreiber von CO2-Emissionen bei solchen Geräten ist. Dadurch entsteht zudem ein weiterer großer Vorteil unserer Lösung: die echte Portabilität frischer Kaffeezubereitung. Für dieses Nutzungsszenario gibt es bisher keine wirklich zufriedenstellende Lösung, weshalb wir uns so deutlich von anderen Kaffeemaschinen abgrenzen können. Wir möchten diese Art des Kaffeegenusses angenehmer und zugänglicher gestalten.
Nachhaltigkeit ist für uns kein Add-on, sondern die Grundlage unseres Produkts. Wir verwenden steck- und schraubbare Teile, was Wartung und Reparatur erleichtert. Außerdem verarbeiten wir recycelbare Metalle, natürliche Materialien wie Kork zur Isolierung und keine toxischen Stoffe.
Bisher lief das Projekt neben dem Studium. Seit diesem Jahr arbeiten wir nun im Rahmen des EXIST-Gründungsstipendiums in Vollzeit an diesem Produkt und entwickeln dabei weitere Lösungen weit über den Kaffeegenuss hinaus.
Wie würdet Ihr Eure Vision beschreiben?
Wir wollen, dass jeder überall seinen eigenen Kaffee zubereiten kann und das möglichst unkompliziert und mit gutem Gewissen gegenüber der Umwelt. Bisher steht die eigene Kaffeemaschine fast ausschließlich in der Küche und mobile Lösungen bringen Kompromisse mit sich, die es unpraktikabel machen, unterwegs im Alltag oder auf Reisen Kaffee zu kochen. Hier setzen wir mit unserer Lösung an. Unsere Vision ist es außerdem, das Produkt in der Öffentlichkeit zu entwickeln und eng mit unserer Zielgruppe und unseren Partnern zusammenzuarbeiten, um einen Mehrwert zu schaffen, der über das eigentliche Produkt hinausgeht.
Was war der Auslöser oder das Problem, das Euch zu der Idee inspiriert hat?
Die Idee entstand in einem Uni-Projekt, in dem wir die Ökobilanzen von Kaffeemaschinen verbessern sollten. Als begeisterte Ingenieure wollten wir eine wirklich gute Lösung entwickeln. Feedback aus dem Bekannten- und Familienkreis hat uns zusätzlich motiviert. Wir sehen in unserem Produkt echtes Potenzial und eine spannende Herausforderung, um Gründungserfahrung zu sammeln.
Viele streben nach einem sicheren Job, aber wir wollten etwas Eigenes schaffen und neue Wege gehen. Anfangs stand die technische Produktentwicklung im Vordergrund. Durch andere Studienangebote von Triathlon haben wir dann auch Einblicke in wirtschaftliche Themen bekommen. So konnten wir verstehen, dass es beim Gründen nicht nur um das Produkt geht, sondern um das Zusammenspiel vieler Faktoren. Das hat uns bestärkt: Gründung ist deutlich vielseitiger, als wir anfangs dachten und genau das macht es so spannend.
Team & Alltag
Wie sieht Euer Team heute aus und wie ergänzt Ihr Euch in Euren Aufgaben?
Wir sind aktuell zu dritt und vereinen Expertise in Maschinenbau, Elektrotechnik und BWL. Dadurch sind wir sehr gut aufgestellt für die technische Entwicklung, den Unternehmensaufbau und die Vermarktung. Da es anfangs keine festen Strukturen gibt, besprechen und diskutieren wir viel, jedoch stets konstruktiv, ergebnisorientiert und mit einer Menge Freude an der Sache.
Wie erlebt ihr den Alltag im Startup zwischen Produktentwicklung, Finanzen und Kundensuche?
Wir versuchen uns zu fokussieren und immer den nächsten wichtigen Schritt zu gehen, anstatt alles auf einmal zu machen. Aktuell beschäftigen wir uns mit der Entwicklung eines serientauglichen Produkts und bauen dabei gemeinsam mit der Social-Media-Community einen potenziellen Kundenstamm, sowie ein Netzwerk von Partnerfirmen auf. Wir hangeln uns so von Priorität zu Priorität, um alles zu einem soliden Gesamtkonzept zu kombinieren.
Zur Person & Motivation
Jannis und Maurice, wie sieht Euer persönlicher Weg in die Gründung aus?
Wir interessieren uns schon länger dafür, eigene Produkte und Systeme zu entwickeln, einfach weil es uns Spaß macht, Dinge zu verstehen und Ideen umzusetzen. Deswegen haben wir uns für ein Ingenieurstudium entschieden. Aus einem Uni-Projekt wurde ein Prototyp, der bereits viele von unserer Idee überzeugt hat. Die Challenge ein echtes eigenes Produkt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen und ein Unternehmen von Grund auf aufzubauen, ist eine neue Herausforderung, durch die wir viel lernen und wachsen können.
Gab es Schlüsselmomente, die Euch geprägt haben?
Der Triathlon-Geschäftsideenwettbewerb war der erste Reality-Check: Da haben wir gemerkt, dass Substanz in unserer Idee steckt. Das hat uns angespornt. Der anschließende Saarland Accelerator war eine Schlüsselphase mit intensivem Input und einer klaren Message, was beim Gründen wirklich zählt. Dazu kommen die zahlreichen kleinen Erfolge: Fertige Prototypen, Anpassungen an neue Erkenntnisse und Gespräche mit potenziellen Nutzern über deren Bedürfnisse und Meinungen.
Welche persönlichen Eigenschaften oder Denkweisen helfen Euch heute im Startup-Alltag besonders weiter?
Maurice: Optimismus, Risikobereitschaft und der Umgang mit Unsicherheit. Im Rahmen einer Gründungsvorbereitung lernt man viel über sich selbst. Deswegen ist Selbstreflexion wichtig, um wachsen zu können.
Jannis: Der Blick fürs große Ganze. Außerdem ist eine ehrliche Risikobewertung entscheidend: Passt der Aufwand zum möglichen Ertrag?
Gibt es Eigenschaften an Euch selbst, die ihr im Gründungsprozess neu entdeckt oder anders wahrgenommen habt?
Vor allem am Anfang gibt es keinen klaren Weg zum Ziel. Selbst das Ziel ist nicht vollständig definiert oder ändert sich im Prozess ständig, während man neue Dinge dazulernt. Um diese Unsicherheit zu bewältigen, tauschen wir uns ständig aus, lernen unsere Teammitglieder und uns selbst besser kennen und entdecken ständig neue Eigenschaften. Dabei finden wir ständig neue Lösungen, vor allem dann, wenn wir auf Probleme stoßen, bei denen unsere Anpassungsfähigkeit gefordert ist.
Herausforderungen & Learnings
Was war Eure bisher größte Herausforderung und wie seid Ihr damit umgegangen?
Besonders herausfordernd war einerseits der Saarland Accelerator 2023, bei dem wir viel gelernt haben. Andererseits die Suche nach einem weiteren Teammitglied. Wir sind über unseren Schatten gesprungen und haben ein Video gedreht und über Social Media beworben. Am Ende haben wir einen tollen Kollegen aus der Nähe von Würzburg gefunden.
Gibt es einen Fehler, der Euch beim Gründen so nicht nochmal passieren würde?
Wir haben unsere Idee in einem geschlossenen Uni-Rahmen präsentiert. Später haben wir erfahren, dass das formal eine Veröffentlichung war, die die Patentfähigkeit gefährden kann. Wir haben also gelernt, dass man das Thema geistiges Eigentum früh mitdenken und bewusst entscheiden sollte, was man wann veröffentlicht. Das steht im Spannungsfeld zu „schnell rausgehen“, beides muss man sauber abwägen.
Was war der bisher verrückteste Moment in Eurer Startup-Story?
Es ist unglaublich, welche Möglichkeiten sich auftun, wenn man rausgeht, sich öffnet und seine Idee präsentiert. Auf diese Weise haben wir schon so viele Kontakte geknüpft, so viele Menschen kennengelernt und so viel hinzugelernt.
Tipps & Einordnung
Was würdet Ihr jemandem raten, der oder die sich gerade mit dem Gründen auseinandersetzt?
Geht raus, sprecht mit den Leuten und testet Eure Annahmen. Nicht zerdenken, sondern machen. Holt Euch Feedback ein, legt den Perfektionismus ab und geht Schritt für Schritt statt zehn Schritte vorauszuplanen.
Abschlussfrage
Was motiviert Euch an Tagen, an denen nichts so richtig klappt?
Jannis: Unser Produkt ist ein Liebhaberprodukt. Die Vorstellung, auf einen Berg zu klettern und dort unser Produkt zu benutzen motiviert enorm.
Maurice: Mich motiviert es, Freiheit zu haben und Verantwortung zu tragen. Ich bestimme darüber, was mit meiner Zukunft passiert, kann meine Ideen umsetzen und arbeite mit vielen interessanten Menschen an vielen interessanten Themen.
Danke für Eure Zeit!
Weitere Infos zum Projekt: https://coffeemuq.com/

